Rückblick 2025 Gemeinsam helfen, gemeinsam wirken.
2 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Vorwort Wie hier in Gaza, wo viele Gebäude und große Teile der Infrastruktur zerstört wurden, sind weltweit immer mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im vergangenen Jahr waren es 300 Millionen Bedürftige.
3 Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, im Sudan müssen Mahlzeiten für die Hungernden rationiert werden, weil die Mittel kaum ausreichen, während Gewalt, Vertreibung und extreme Not weiter Millionen Menschen quälen. Auch in anderen Regionen müssen humanitäre Organisationen unmenschliche Entscheidungen treffen, wer noch Zugang zu medizinischer Hilfe, therapeutischer Nahrung, Hilfspaketen erhält – und wer nicht. Weltweit sind laut Angaben der Vereinten Nationen derzeit etwa 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – dahinter stehen 300 Millionen einzelne Schicksale von Kindern, Frauen, Männern, die in akuter Not sind. Gleichzeitig sinken seit Jahren die staatlichen Mittel für humanitäre Hilfe – auch in Deutschland. Umso mehr zählt in dieser Zeit jede einzelne Spende. Spenden von Bürgerinnen und Bürgern, Beiträge von Unternehmen oder Stiftungen können die Lücke, die Kürzungen in den staatlichen Budgets reißen, zwar nicht schließen. Aber sie leisten – rasch, unmittelbar, zielgerichtet und wirkungsvoll – konkrete Hilfe. Sie sind auch ein starkes Signal, weil sie zeigen, dass den Menschen in unserem Land das Schicksal notleidender Menschen nicht gleichgültig ist. Während Regierungen ihre Beiträge allzu oft mit Blick auf andere dringende Prioritäten herunterfahren, zeigen Privatpersonen und Unternehmen große Solidarität. Die Bereitschaft, Menschen in Not zu helfen, ist ungebrochen, die Spendeneinnahmen blieben im Jahr 2025 stabil. Den Bürgerinnen und Bürgern ist der humanitäre Einsatz für Menschen, für die es oft ums Überleben geht, also wichtig – das sollte auch bei politischen Entscheidungen zählen. Sie, liebe Spenderinnen und Spender, vertrauen dabei den vier etablierten Akteuren des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe: Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF. Für Ihr Engagement und Ihre Solidarität möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Wie die Hilfswerke diese Mittel eingesetzt haben, auch dort, wo „vergessene Krisen“ herrschen, die selten im Fokus der medialen Berichterstattung stehen, zeigen wir Ihnen auf den folgenden Seiten. Im Sudan hat der bewaffnete Konflikt die größte humanitäre Krise der Gegenwart ausgelöst. Verschärft wird die Lage noch durch die Auswirkungen des Klimawandels. Alle vier Mitgliedsorganisationen sind dort und in den Nachbarstaaten sehr aktiv (Seite 6). Im Nachbarland Südsudan, einem der ärmsten Länder der Welt, besuchte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali 2025 ein Schulprojekt in einem Flüchtlingslager, das unser Partner BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ unterstützt. Ihre Eindrücke schildert sie im Interview (Seite 18). Anhand ihrer Projekte im Nahen Osten (Seite 16), in Ostafrika (Seite 14), in der Ukraine (Seite 12) und in Myanmar (Seite 10) stellen wir zudem beispielhaft die Arbeit unserer vier Mitgliedsorganisationen vor. Wo wir sonst noch aktiv waren, erfahren Sie in Grafiken und Übersichten. Deutlich wird dabei: Gerade, weil die öffentlichen Mittel für humanitäre Hilfe schrumpfen, gibt uns Ihre anhaltende Unterstützung Grund zur Zuversicht – für die Menschen, denen unser Einsatz gilt. Ihr Christian Schneider Vorsitzender Aktionsbündnis Katastrophenhilfe und Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsches Komitee für UNICEF e.V.
Anstieg von + 30 % Steigerung der Spendeneinnahmen gegenüber dem Vorjahr 4 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Unser Jahr in Zahlen 7,39 Mio € Spenden an das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe insgesamt in 2025 Mit Ihren Spenden für die Erdbebenhilfe in Südostasien haben Sie 2025 am meisten bewirkt. *gerundet Erdbeben Südostasien Nothilfe weltweit Nothilfe Sudan Nothilfe Ukraine Nothilfe Naher Osten Nothilfe Afghanistan Hunger in Afrika Sonstiges 2.318.876 € 1.214.843 € 1.091.187 € 1.057.111 € 752.889 € 492.612 € 386.753 € 75.280 € Spendeneinnahmen nach Aufruf* 2,3 Mio € Stärkster Spendenaufruf Erdbeben Südostasien (31,38 %) Nothilfe weltweit (16,44 %) Nothilfe Sudan (14,77 %) Nothilfe Ukraine (14,31 %) Nothilfe Naher Osten (10,19 %) Nothilfe Afghanistan (6,67 %) Hunger in Afrika (5,23 %) Sonstiges (1,02 %) Anstieg von + 44 % Anzahl der Spenden gegenüber dem Vorjahr 45.952 Spenden
5 Unser Jahr in Zahlen Ihr Weg der Hilfe So wirkt Ihre Spende Seit 2001 rufen Caritas international, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland als Aktionsbündnis Katastrophenhilfe gemeinsam zu Spenden auf, wenn Menschen nach einer Katastrophe oder in Folge bewaffneter Konflikte dringend Hilfe brauchen. Die vier erfahrenen Hilfsorganisationen leisten die Hilfe mit ihren lokalen Partnern vor Ort. Das Aktionsbündnis koordiniert die gemeinsamen Spendenaufrufe und leitet Ihre Spende vollständig an sie weiter. Diese Konstellation macht das Bündnis stark: Zusammen verbindet es die weltweite Reichweite und die lokale Präsenz aller vier Organisationen. Mit Partnern, die in nahezu jedem Land der Welt schon vor Ort sind – vor, während und nach Krisen und Katastrophen. Dadurch können sie im Ernstfall sofort handeln, denn niemand weiß besser als einheimische Fachleute, was in einer Krise wirklich gebraucht wird. 2025 kamen rund 7,4 Millionen Euro an Spenden durch die gemeinsamen Aufrufe zusammen. Auf den folgenden Seiten bekommen Sie einen Einblick in die Arbeit und in konkrete Projekte unserer Mitgliedsorganisationen, die Ihre Spenden möglich gemacht haben.
Ob Erdbeben, Hurrikan, bewaffneter Konflikt oder Hungerkrise: 2025 waren unsere Mitgliedsorganisationen weltweit im Einsatz. Die Karte zeigt ihre Hilfseinsätze 2025 in den jeweiligen Regionen. Die aufgeführten Maßnahmen stehen dabei beispielhaft für die vielfältige humanitäre Hilfe, die unsere Mitgliedsorganisationen dank Ihrer Spende leisten konnten – von medizinischer Versorgung und sauberem Trinkwasser bis hin zu Schutz, Unterkunft und psychosozialer Unterstützung. 6 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Unsere Hilfen 2025 im Überblick Wo Ihre Spende ankam Karibik Hurrikan Melissa – Oktober 2025 • Evakuierungen und Notunterkünfte • Trinkwasser und Hygieneversorgung • Unterstützung und Schutz für Kinder
7 Hilfen 2025 im Überblick Afghanistan Erdbeben – August 2025 • Medizinische Nothilfe und Medikamente • Zelte und Hilfsgüter für betroffene Familien • Rehabilitationshilfe und Hilfsmittel Gazastreifen Bewaffneter Konflikt und humanitäre Krise – seit Oktober 2023 • Lebensmittel und therapeutische Nahrung • Medizinische Versorgung und Medikamente • Impfungen und Schutz von Kindern Libanon Konflikt und Vertreibung – seit September 2024 • Versorgung von Vertriebenen • Unterstützung von Rettungsdiensten • Medizinische und psycho- soziale Hilfe Ukraine Krieg – seit Februar 2022 • Reparatur beschädigter Wohnungen • Wärme- und Gesundheitsversorgung • Psychosoziale Hilfe für Kinder Sudan Bewaffneter Konflikt und Hungerkrise – seit April 2023 • Behandlung von Mangelernährung • Unterstützung von Geflüchteten und Vertriebenen • Hilfe über lokale Helferstrukturen Myanmar, Thailand Erdbeben – März 2025 • Such- und Rettungs- einsätze • Notunterkünfte und Bargeldhilfen • Schulzelte und Lernmaterialien
8 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Inmitten von Gewalt und Hunger helfen Betroffene im Sudan sich und anderen. Sie zeigen, dass Solidarität möglich ist. Sie bringen eine fast vergessene Katastrophe in Erinnerung – und finden Unterstützung. Als die Gewalt eskalierte, als die Rebellen in die Stadt einfielen, mordeten, vergewaltigten, Geschäfte und Märkte plünderten, als immer mehr Menschen vor Tod und Gewalt flohen, als also die Not am größten war, da setzten Duaa Tareeg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter auf die Kraft der Solidarität: „Ein Freund und ich gingen los, holten zehn Kilo Reis und zehn Kilo Linsen und kochten. Das Essen haben wir an die Menschen verteilt, die zufällig vorbeikamen. Wir sagten ihnen, dass wir ab sofort jeden Tag Essen verteilen werden. Am nächsten Tag standen 80 Familien mit 80 Essensbehältern in einer Schlange vor uns.“ So entstand die erste Suppenküche in Duaa Tareegs Stadtviertel in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum. Angriff auf Kinder, Zivilpersonen und Helfende: Am 8. Juli 2024 trafen Bomben die größte Kinderklinik der Ukraine in Kiew. Sudan Selbsthilfe zur Hilfe Die Suppenküche war zunächst ein reines Mittel zur Selbsthilfe, es ging ums nackte Überleben. Im solidarischen Miteinander, aber ohne jegliche staatliche oder internationale Unterstützung. „Zu dieser Zeit bezahlten wir alles aus eigener Tasche“, berichtet Duaa Tareeg. Die Gruppe teilte ihre Aktivitäten, die sie inmitten des bewaffneten Konflikts durchführte, über Social Media. Mit Erfolg, denn „dann kamen viele Mittelgeber auf uns zu.“ Die Gruppe hat also den entwicklungspolitischen Leitsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ kurzerhand umgedreht. Die Menschen halfen sich selbst und mit ihren eigenen Mitteln – und beeindruckten so die internationalen Hilfsorganisationen. Inzwischen umfasst das von Duaa Tareeg mitgegründete Netzwerk Emergency Response Rooms (ERR) im Sudan rund 600 Nachbarschaftskomitees mit etwa 12.000 Freiwilligen, die Suppenküchen betreiben oder Menschen mit Wasser und Medikamenten versorgen. Die ERR wurden mit Menschenrechtspreisen und dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch die Mitgliedsorganisation des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe unterstützen ERR und können so ihre Hilfsprojekte unabhängig von den Konfliktparteien umsetzen.
9 Sudan – Selbsthilfe zur Hilfe „Dieses Engagement aus der Zivilgesellschaft ist beeindruckend. Sie retten jeden Tag Leben und müssen darin gestärkt werden.“ Martin Keßler Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, über die Emergency Response Rooms (ERR) im Sudan Überlebenswichtig: Mithilfe der Verteilung von Lebensmitteln ermöglicht die Caritas-Partnerorganisation DMI den Geflüchteten ein wenig Eigenständigkeit. Mühsame Handarbeit: Geflüchtete und Helfende errichten mit einfachsten Mitteln Notunterkünfte im Südsudan.
10 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Größte humanitäre Katastrophe Die Hilfe ist dringend notwendig. Denn der bewaffnete Konflikt im Sudan ist derzeit die größte humanitäre Katastrophe der Welt – und dennoch eine vergessene Krise. Mehr als zwölf Millionen Menschen wurden vertrieben. Etwa 34 Millionen Menschen – zwei Drittel der Bevölkerung – sind laut UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ungefähr 4,5 Millionen Menschen sind in die umliegenden Länder geflohen. Beispielsweise nach Südsudan. In der Grenzregion sind Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international aktiv. Die Hilfswerke unterstützen dort – unter anderem durch ihre gemeinsame Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ – die Hilfsprojekte der Schwestern der Daughters of Mary Immaculate (DMI). Auch Nyamjwok Obac Akany und Bakitha Awad Deng zählen zu den vielen Geflüchteten. „Als ich nach Kodok kam, kannte ich niemanden. Ich war sehr besorgt, denn ich war im vierten Monat schwanger“, erzählt Nyamjwok Obac Akany. „Ich danke Gott, dass ich meine Tante Bakitha getroffen habe und sie mich aufgenommen hat.“ Die beiden Frauen und ihre fünf Kinder wohnten zunächst sehr beengt in einer alten Hütte, die Wind und Wetter kaum standhielt. Das hat sich geändert: Dank der Hilfe der Schwestern der Daughters of Mary Immaculate in Kodok leben sie inzwischen in einer stabilen Unterkunft. Die Hilfsmaßnahmen in der Stadt Kodok im Norden des Südsudan umfassen neben dem Bau neuer Hütten auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln und psychosoziale Hilfe. UNICEF behandelt jährlich über 600.000 mangelernährte Kinder im Sudan. Nothilfe mit Perspektive. Mit dem Bau eines Brunnens ermöglicht UNICEF die Selbstversorgung der Geflüchteten – auch der Kinder.
11 Sudan – Selbsthilfe zur Hilfe Etwa 34 Millionen Menschen im Sudan – zwei Drittel der Bevölkerung – sind laut UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen Langjährige Erfahrung ermöglicht effektive Hilfe Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam mit dem Sudanesischen Roten Halbmond (SRCS) im Sudan und hat dort daher gute Kontakte und viel Erfahrung. Die Partnerorganisationen sind unter anderem in der Katastrophenvorsorge, der humanitären Hilfe, in Bildung und Gesundheit sowie bei der Verbesserung der Lebensgrundlagen aktiv. In der aktuellen Krise ermöglichen die langjährigen Kooperationen nun auch unmittelbare medizinische Hilfen, medizinische Ausrüstung und Medizintechnik werden bereitgestellt. Mitarbeitende und Freiwillige des SRCS leisten Erste Hilfe, transportieren Verletzte und unterstützen das medizinische Personal. Und im Rahmen der Gesundheitsversorgung unterstützt ein spezielles Programm schwangere Frauen und besonders schutzbedürftige Mütter mit Geburtshilfen und Bargeldhilfen. Auch UNICEF ist seit vielen Jahren im Sudan im Einsatz. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UN) liefert zum Beispiel Medikamente, medizinisches Equipment, sauberes Wasser und andere lebenswichtige Hilfsgüter an Krankenhäuser, Gesundheitszentren und an Flüchtlingscamps. Und wie die anderen Organisationen des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe setzt auch UNICEF dabei auf lokale Helfende, die teils selbst von Gewalt und Not betroffen sind. Latifa beispielsweise wurde mehrfach vertrieben, bevor sie Ende 2025 in Tawila, Nord-Darfur, ankam. Seitdem engagiert sich die junge Sudanesin in einem Schutzraum für Kinder. Dort hilft sie Kindern, die von Gewalt betroffen sind, beim Lernen und spielt mit ihnen. In dem UNICEF-Zentrum tanken sie auf und schöpfen neue Kraft. „Die Kinder haben so viele Erinnerungen an Gewalt. Sie brauchen Unterstützung und Dinge, die sie an ihre Kindheit erinnern, zum Beispiel Spiele und Spielzeug. Sie verändern sich völlig, nachdem sie hierhergekommen sind.“ Inmitten von gewaltsamen Konflikten und Hungerkrise im Sudan ist es dieses beeindruckende Engagement der sudanesischen Helferinnen und Helfer, das Hoffnung macht. „Sie haben sich ihre Hilfsbereitschaft, Güte und Solidarität bewahrt – und zeigen uns, dass Menschlichkeit selbst in diesem verheerenden Krieg überlebt“, schreibt UNICEF in Portraits von Latifa und vier weiteren freiwilligen Helferinnen, die selbst viel Leid erlebt haben. Die Frauen und Männer leben gewissermaßen das Partnerprinzip, nach dem alle im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe kooperierenden Hilfswerke arbeiten. Und sie zeigen dabei auf beeindruckende Art und Weise, dass Hilfe und Selbsthilfe am besten miteinander funktionieren. Ein Moment der Freude im Flüchtlingslager. Im Sudan wächst eine ganze Generation inmitten des gewalttätigen Konflikts heran.
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe 12 Das Erdbeben, dessen Epizentrum nahe Mandalay lag, der zweitgrößten Stadt des Landes, kostete laut Angaben der Vereinten Nationen etwa 5.300 Menschen das Leben. Zehntausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Und dies in einem Land, in dem seit dem Militärputsch 2021 ein gewaltsamer Konflikt zwischen Militärregierung und oppositionellen Gruppen tobt. Mehrere Millionen Menschen mussten innerhalb des Landes oder über die Landesgrenzen fliehen – als verfolgte ethnische Minderheiten wie die Rohingya, als politisch Verfolgte, als Geflüchtete oder aus wirtschaftlicher Not. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen 17,6 Millionen Menschen in Myanmar humanitäre Hilfe. Hilfe ist schon vor Ort ... Schon in den ersten Tagen nach der Katastrophe stellen UNICEF-Teams in Myanmar dringend benötigte Hilfe aus bestehenden Warenlagern bereit, darunter Hygienesets, Seife, Wasserreinigungstabletten, Wassertanks und medizinische Hilfsgüter für Kinder. Weitere Lieferungen sind schnell auf dem Weg. Möglich ist diese zeitnahe und unbürokratische Hilfe, weil UNICEF seit mehr als sieben Jahrzehnten in Myanmar im Einsatz ist, unter anderem in den Bereichen Ernährung, Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung und Kinderschutz. Im Jahr zuvor erst hatte UNICEF unter anderem 500.000 Kinder gegen Masern geimpft. Rund 520.000 Kinder konnten dank des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Lernangebote nutzen; mehr als 700.000 Menschen wurden mit sauberem Trinkwasser versorgt. UNICEF verfügt über ein großes Netz der Hilfe – mit eigenen Mitarbeitenden und zahlreichen Partnern, mit viel Erfahrung und einer eigenen Infrastruktur. ... und kommt auf dem Luftweg Wenige Tage nach dem Beben erreichen 80 Tonnen zusätzliche Hilfsgüter per Flugzeug das Katastrophengebiet. Sie wurden aus dem Logistik-Zentrum von UNICEF in Kopenhagen mit Unterstützung der Europäischen Union nach Myanmar gebracht. Zu den Hilfsgütern gehören zum Beispiel Wasserreinigungstabletten, medizinische Ausrüstung und Zelte. UNICEF-Teams verteilen die Hilfsgüter vor Ort an Kinder und Familien, die von dem Erdbeben betroffen sind. UNICEF Geschützte Räume für Kinder Als das Holz knarrt und der Boden bebt, rennt die 16-jährige Tun Myar ins Freie – und bricht anschließend mit einem Schock zusammen. Es ist der 28. März 2025, als ein Erdbeben der Stärke 7,7 Myanmar erschüttert. Tun Myar schläft in den folgenden Nächten wie viele andere Menschen im Freien, nur geschützt durch einfache Planen.
13 UNICEF – Geschützte Räume für Kinder Wirkung vor Ort Die Hilfe ist dringend notwendig, denn die Not nach dem Beben ist groß. „Die schweren Schäden sind überall in der Stadt sichtbar. Überall hängen kaputte Stromleitungen, Straßen wurden aufgerissen. Viele Gebäude sind beschädigt, manche sind ganz eingestürzt“, berichtet Julia Rees, stellvertretende Leiterin von UNICEF in Myanmar, aus Naypyidaw. „Kinder und Familien schlafen auf der Straße. Die Angst ist bei den Menschen überall spürbar. Sie sind tief erschüttert und machen sich Sorgen, ob sie überhaupt noch in ihre Häuser zurückkehren können.“ Wenn alte Wunden wieder aufreißen Für Kinder und Jugendliche wie Tun Myar bedeutet das Erdbeben eine weitere schwere Belastung. Als Zehnjährige verlor sie ihre Mutter; später lebte sie getrennt von ihrem Vater bei ihrer Tante. Hinzu kamen Jahre auf der Flucht. Tun Myar beschreibt, wie ihre Hoffnung schwindet: Sie zieht sich zurück, spricht kaum noch und findet nachts keinen Schlaf. Ähnlich geht es vielen Kindern in Nyaungshwe Township. Auf den Konflikt und die Vertreibung folgte das Erdbeben. Viele Erwachsene spüren, dass ihre Kinder leiden, wissen aber nicht, wie sie ihnen helfen können. Hier setzt UNICEF mit lokalen Partnern an: mit kinderfreundlichen Schutzräumen, psychosozialer Unterstützung und Angeboten für Eltern und andere Betreuungspersonen. In diesen sicheren Orten finden Kinder Schutz, einen geregelten Tagesablauf und Unterstützung. Geschulte Fachkräfte helfen ihnen, mit den Erlebnissen von Flucht, Gewalt und Erdbeben umzugehen. Durch Gespräche, kreative Angebote und Spiele können die Kinder wieder Vertrauen und Stabilität gewinnen. In den Gruppen wird außerdem gemalt, getanzt, gesungen und gespielt. Die Kinder erleben Momente, in denen sie einfach Kind sein und wieder lachen können – dort, wo zuvor Angst ihren Alltag bestimmte. Für Tun Myar wird diese Unterstützung zu einem Wendepunkt. Früher habe sie kaum vor anderen Menschen reden können, erzählt sie. Heute spricht sie selbstbewusst vor anderen Kindern und leitet sie bei den Angeboten an. Ihr Ziel ist klar: Sie möchte die Schule abschließen und Ärztin werden. „Schwere Erdbeben sind eine traumatische Erfahrung für Kinder. Angehörige wurden getötet oder verletzt, viele Kinder wurden von ihren Familien getrennt. Sie sind verängstigt und brauchen dringend psychosoziale Unterstützung.“ Christian Schneider Geschäftsführer von UNICEF Deutschland Für jedes Kind, überall auf der Welt. UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und setzt sich weltweit für die Rechte jedes Kindes ein. In Krisen und nach Katastrophen versorgt UNICEF Kinder und Familien mit Wasser, medizinischer Hilfe, Spezialnahrung, Schutz und psychosozialer Unterstützung. Dank dauerhafter Präsenz und starker Partnerschaften kann UNICEF schnell handeln und setzt sich als Teil der Vereinten Nationen auch gegenüber Regierungen für den Schutz von Kindern ein. Ihr Leben war nach Konflikten, Vertreibung und Erdbeben von Angst geprägt. Heute hilft Tun Myar anderen Kindern dabei, ihre Ängste zu überwinden. Neben Gesprächen und kreativen Angeboten helfen auch Spiele den Kindern dabei, wieder Vertrauen und Stabilität aufzubauen. Schutz/Mentale Gesundheit: 580.000 Kinder Gesundheit: 438.000 Kinder Bildung: 160.000 Kinder
14 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Aufbau von Zelten als Notunterkünfte durch den Palästinensischen Roten Halbmond. Die Shelter werden vom DRK bereitgestellt. Deutsches Rotes Kreuz Hilfe in Nahost über Grenzen hinweg Nach dem Ende des Assad-Regimes im Dezember 2024 und der Bildung einer neuen Übergangsregierung war die Hoffnung auf Verbesserungen in Syrien groß. Doch der lange Konflikt hat einen großen Teil der Infrastruktur zerstört, die Wirtschaftskrise führt zu hoher Armut und Arbeitslosigkeit, der Zugang zu Wasser, Gesundheit, Bildung und Schutzdiensten bleibt knapp. In vielen Landesteilen steht daher weiterhin die Nothilfe im Mittelpunkt der Arbeit des DRK. Als beispielsweise im Südwesten des Landes die Kämpfe zwischen lokalen bewaffneten Beduinen- und Drusen-Gruppen eskalierten, kam es zu einer humanitären Notlage. Daraufhin brachte der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARH) im Juli 2025 mit Unterstützung des DRK eine Hilfslieferung auf den Weg in die südsyrische Region Suweida. Ein Hilfskonvoi mit 44 Fahrzeugen, darunter fünf Krankenwagen und 31 Lastwagen, transportierte dringend benötigte Hilfsgüter wie Lebensmittelpakete, Trinkwasser, Medikamente, medizinisches Material, Wassertanks und Treibstoff in die Krisenregion. Erste Hilfe für das Gesundheitssystem Das DRK hilft in Syrien insbesondere bei der Unterstützung des Gesundheitssystems. Beispielsweise unterstützt das DRK elf mobile Gesundheitseinheiten, die dringend benötigte primäre Gesundheitsversorgung für Menschen in abBewaffnete Konflikte, aber auch Naturkatastrophen bringen immer wieder Not und Zerstörung in die Länder des Nahen Ostens. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), in Zusammenarbeit mit der Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft des jeweiligen Landes, hilft unter anderem in Syrien, Libanon und den Palästinensischen Gebieten, insbesondere in Gaza. gelegenen und schwer zugänglichen Gebieten leistet. Frauen und Kinder erhalten zudem spezialisierte medizinische Hilfe durch das Kinderkrankenhaus in Aleppo, das einzige in der Region, und daran angeschlossene Kliniken. Hier setzt das DRK 17 Krankenschwestern und elf medizinische Mitarbeitende ein und stellt Sauerstoffflaschen und den Betrieb von Inkubatoren für die Intensivstation bereit. Medizinische Hilfe in Konfliktgebieten In Libanon unterstützt das DRK das Libanesische Rote Kreuz (LRK) bei den Rettungsdiensten und bei seinem Medico- Sozialen Dienst. Insgesamt stellt das LRK rund 80 Prozent des Rettungsdienstes im Land. Mobile Gesundheitseinheiten helfen auch dort, wo keine Krankenhäuser sind, oder unterstützen die Gesundheitseinrichtungen dabei, die erhöhte Anzahl von Patientinnen und Patienten zu versorgen. Mehr als 12.000 Freiwillige sind für das LRK tätig, das im Land 51 Ambulanzzentren, 13 Bluttransfusionszentren, 37 Zentren für die medizinische Grundversorgung, 10 mobile medizinische Einheiten und 17 KatastrophenmanagementZentren betreibt. Somit ist es der wichtigste Anbieter von medizinischer Notfallversorgung in Libanon und oft der einzige Akteur, der in der Lage ist, in Konfliktgebieten tätig zu sein. „Nur wenn alle Konfliktparteien sicheren und ungehinderten Zugang gewähren, kann Hilfe dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Zivile Infrastruktur, Gesundheitseinrichtungen und humanitäre Helferinnen und Helfer müssen geschützt und respektiert werden.“ Christian Reuter DRK-Generalsekretär
15 Deutsches Rotes Kreuz – Hilfe in Nahost über Grenzen hinweg Gesundheitsversorgung in Syrien: Aufklärung für Kinder zu Körperhygiene durch Mitarbeiterinnen vom Syrischen Arabischen Roten Halbmond in Daraa. Mädchen lesen einen Flyer über Vorbeugung gegen Cholera. Hilfsflüge in die Krisenregionen Wie zuletzt in den Libanon war das DRK auch an Hilfsgüterflügen für die Bevölkerung in Gaza beteiligt. Beispielsweise hatte das DRK am 22. November 5.000 Zeltplanen, über 100 Zelte und 78 Paletten mit Hygienesets bereitgestellt. Der Palästinensische Rote Halbmond (PRH)verteilte diese Hilfsgüter in den folgenden Wochen an Menschen, die von Winterstürmen und Überflutungen betroffen waren und deren Hab und Gut durchnässt war. Zum Jahreswechsel 2025/26 brachte das DRK weitere Hilfsgüterflüge auf den Weg – die bereits 21. Gaza-Hilfsgüterlieferung in zwei Jahren. Gut 10.000 Schlafsäcke und 7.500 Hygienesets unter anderem mit Waschpulver, Seife, Zahnpasta und Menstruationsartikeln wurden an notleidende Frauen und Familien vergeben. Zudem hat das DRK 2025 den PRH bei seinen Rettungs- und Ambulanzdiensten unterstützt, Wassertransporte ermöglicht, Rehabilitationsmaßnahmen gefördert und medizinisches Personal und Material an das Feldhospital des Roten Kreuzes in Rafah entsandt. Wieder einmal zahlt sich bei den Hilfsmaßnahmen aus, dass die Rot-Kreuz- und Rot-Halbmond-Gesellschaften eng vernetzt sind. Vor Ort retten und evakuieren sie Menschen, leisten medizinische Nothilfe und verteilen Hilfsgüter. „Dank der unermüdlichen Arbeit unserer Schwestergesellschaft, dem Palästinensischen Roten Halbmond“, betonte auch DRK-Generalsekretär Christian Reuter, „können die Hilfsgüter die Zivilbevölkerung direkt erreichen.“ Wirkung vor Ort 10.000 Schlafsäcke für Familien in Gaza 11 mobile Gesundheitseinheiten in Syrien 12.000 Freiwillige im Einsatz für das Libanesische Rote Kreuz An der Seite der Menschen – unabhängig davon, wer sie sind oder wo sie leben. Das DRK ist Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und dadurch mit einem weltweiten Netz erfahrener Partner verbunden. Die Grundsätze Neutralität und Unparteilichkeit schaffen Vertrauen und ermöglichen Zugang zu Menschen in Not – nach Naturkatastrophen wie in bewaffneten Konflikten. Zudem setzt sich das DRK für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts ein. Getragen wird die Arbeit immer vom obersten Grundsatz der Bewegung: Menschlichkeit.
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe 16 Multiple und dauerhafte Krisen führen zu Armut, Not und Hunger im Osten und Südosten Afrikas. Die Ursachen dafür sind vielschichtig: Der Klimawandel bringt langjährige Dürren mit sich, Konflikte eskalieren in bewaffnete Konflikte, sodass immer mehr Menschen auf der Flucht sind. Ein Krisenreaktionsprogramm der Diakonie Katastrophenhilfe hilft an der Basis. Angesichts der immer häufiger auftretenden Krisen und Katastrophen in Ost-und Südostafrika hat die Diakonie Katastrophenhilfe ein Krisenreaktionsprogramm entwickelt, mit dem Hilfsprojekte gestartet werden, um rasch und flexibel auf akute Notlagen reagieren zu können. Zwölf Partnerorganisationen in acht Ländern im östlichen und südlichen Afrika sind an diesem Programm zur Krisenreaktion beteiligt. Im Fokus stehen die Ernährungssicherung und der Schutz von Lebensgrundlagen der jeweils betroffenen Bevölkerung. Die Diakonie Katastrophenhilfe setzt dabei an der Basis an: bei den Familien, den Dörfern und Gemeinden, der bäuerlichen Landwirtschaft. Das innovative Programm wird seitens des Regionalbüros Ost- und südliches Afrika in Nairobi/ Kenia koordiniert, aber von den Partnern vor Ort selbst gesteuert. Dürreresistentes Saatgut und solarbetriebene Bewässerung Beispielsweise in Somalia: Die Menschen in der Republik im äußersten Osten Afrikas leiden seit vielen Jahren nicht nur unter bewaffneten Konflikten und politischer Instabilität. Infolge des Klimawandels wechseln sich Extremwetterereignisse wie langanhaltende Dürren mit verheerenden Überschwemmungen ab. Sechs der gut 17 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner Somalias sind laut Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen. In Hiraan und Gedo, zwei besonders stark betroffenen Regionen im Süden Somalias, haben Überflutungen bis zu 50 Prozent der Anbauflächen zerstört. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Nomadic Assistance for Peace and Development (NAPAD) ist die Diakonie Katastrophenhilfe deshalb in der Region aktiv. Neben der unmittelbaren Nothilfe, durch die vertriebene Familien Lebensmittelgutscheine für Mehl, Reis, Bohnen und Öl erhalten, bietet das Hilfsprogramm auch Schulungen in klimaresistenten Anbautechniken an, damit sich die Menschen mittel- und langfristig wieder selbst versorgen können. Die Familien erhalten Saatgut für Zwiebeln, Sorghum und Sesam sowie Werkzeuge wie Spaten und Heugabeln. Ergänzend werden solarbetriebene Bewässerungssysteme installiert. Zwölf Partner, acht Länder, ein Programm Auch in Äthiopien, dem westlichen Nachbarland Somalias, geht es um Hilfen zur Anpassung an den Klimawandel. Denn standortgerechte Anbaumethoden und bodenverbessernde Techniken machen Ackerland fruchtbarer und Diakonie Katastrophenhilfe Programm gegen den Hunger
Kolumnentitel 17 Diakonie Katastrophenhilfe – Programm gegen den Hunger „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie diejenigen schützt, die im Krieg alles verloren haben.“ Dagmar Pruin Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe über die staatlichen Kürzungen in der humanitären Hilfe schaffen Weideflächen für Rinder. Der Partner Friendship Support Association (FSA) führt gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe praktische Schulungen durch, in denen die Teilnehmenden lernen, Mais anzubauen, der an die harten Standortbedingungen angepasst ist und dadurch mehr Ertrag für die Familien abwirft. Andere kleinbäuerliche Betriebe und Familien erhalten Hühner und einen Hahn, um eine kleine Geflügelzucht starten zu können. Auch sie bekommen ergänzend zu den Hilfen Schulungen in Tierhaltung und veterinärmedizinische Leistungen wie Impfungen. Künftig soll das Programm bereits im Vorfeld drohender Krisen aktiviert werden können. So wird zurzeit eine Dürrehilfe für Kenia und Somalia vorbereitet, weil aktuelle Berichte zunehmende Nahrungsmittelengpässe am Horn von Afrika prognostizieren. „In einigen Regionen wissen wir, dass die nächste Krise nur eine Frage der Zeit ist – etwa im Südsudan, wo sich in den vergangenen Jahren verheerende Überschwemmungen wiederholten. Deshalb integrieren wir in diesem Jahr eine neue Säule für vorausschauende Soforthilfe in das Programm. Wir wollen damit Partner und Gemeinden befähigen, schon vor dem Eintreten einer Krise, etwa bei Vorhersagen von starken Regenfällen, zu handeln und Schäden und Verluste zu mindern“, erläutert Katrin Jullien, Leiterin des Regionalbüros in Nairobi. Hilfen mit Potential Das Programm der Diakonie Katastrophenhilfe ermöglicht es nicht nur, Synergien für unterschiedliche Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern zu nutzen. Die Teilnehmenden können auch von- und miteinander lernen. Wie in Äthiopien und Somalia leiden auch im Südsudan und Teilen Kenias Menschen unter dürrebedingten Ernährungskrisen. In Malawi sind noch die Folgen des Zyklons Freddy spürbar, der 2023 vielerorts die Ernten zerstörte. Im Nachbarstaat Simbabwe sorgen wiederkehrende Klimaereignisse – Zyklone, Fluten und verstärkt auftretende Dürren - für Nahrungsmittelengpässe. Mit ihrem umfassenden Krisenreaktionsplan leistet die Diakonie Katastrophenhilfe schon jetzt dringend benötigte Hilfe, in deren Fokus die Hungerbekämpfung steht. Mehr als 6,6 Millionen Euro kamen so bereits zum Einsatz. Und weil das Programm skalierbar ist, können die Hilfen bei steigenden Einnahmen auch kurzfristig ausgeweitet werden. Daher hofft das evangelische Hilfswerk auf Spenden und Unterstützung, um die Basishilfen fortsetzen und ausbauen zu können. Wirkung vor Ort Weltweit verknüpft für Menschen in Not. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt Menschen, die von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung betroffen sind und ihre Notlage nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Sie arbeitet immer gemeinsam mit Partnern, die durch lokale Verankerung, Akzeptanz und Expertise und orientiert an den Bedürfnissen passgenaue und zielgerichtete Unterstützung leisten. Dadurch wird eine effektive Hilfe ermöglicht, die schnell und direkt bei den betroffenen Menschen und Gemeinschaften ankommt. 50.600 erreichte Menschen in Not 12 Partnerorganisationen 8 Länder Hilfe für die kleinbäuerliche Landwirtschaft wie hier in Somalia sind Teil des NothilfeProgramms der Diakonie Katastrophenhilfe in Ostafrika (Foto oben links). Kleine Tiere, große Hilfe: Auch Hühnerhaltung kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe 18 Caritas international Alltägliche Hilfe im Krieg Es sind immer wiederkehrende Bilder, die in den westlichen Medien über den Krieg in der Ukraine zu sehen sind: einerseits die von russischen Raketen und Drohnen, die in Kyjiw und anderen Städten des Landes einschlagen. Andererseits die von Politikerinnen und Politiker, die über Kredite, Waffen und Hilfen beraten. Immer seltener jedoch sind Bilder von den Menschen und von ihrer Angst zu sehen, von ihrer Trauer und ihrer Not. Empörung und Mitgefühl sind einer oftmals routinierten Kriegsberichterstattung gewichen. Zwischen Alltag und Krieg Für die Menschen in der Ukraine kann es keine Routine geben, wenn Nachbarn durch Bomben sterben oder Familienangehörige an der Front. Und doch leben viele ihren Alltag, in den der Krieg und seine Folgen Einzug gehalten haben. „Wir versuchen alle, die War-Life-Balance zu halten,“ beschreibt Hannah Kikwitzki diesen Zustand. Die Mitarbeiterin von Caritas international lebt seit Kriegsbeginn in der Ukraine und koordiniert dort die Hilfen. Kikwitzki beschreibt die Ambivalenz des Lebens in der Hauptstadt, wo es Straßencafés und Konzerte gibt, Menschen zum Einkaufen, zur Arbeit und in die Schule gehen. Doch überall sei auch der Krieg sichtbar: Kriegsversehrte und Uniformierte in den Straßen, zerstörte Gebäude und Autos, Zeichen der Trauer durch Foto-Galerien von Gefallenen – und immer wieder der Bombenalarm, der die Menschen in die Bunker, Keller und U-Bahnhöfe ruft. Tagelang kein Strom und keine Heizung, bange Nächte im Luftschutzkeller oder in der U-Bahn – und immer wieder russische Angriffe. Die Menschen in der Ukraine müssen im bereits fünften Jahr mit dem Krieg leben. Caritas international steht ihnen dabei seit Beginn an zur Seite. Besonders hart treffen die russischen Angriffe die Menschen im Winter. Starke Schäden der Energieinfrastruktur haben überall im Land gravierende Auswirkungen auf das alltägliche Leben: Über Stunden, manchmal Tage gibt es keinen Strom. Und vor allem wird es bitter kalt, wenn die Wärmeleitungen oder Heizzentralen getroffen werden. Caritas international und ihre Partner helfen parallel auf vielen Ebenen: Weiterhin im Zentrum steht die akute Nothilfe im Krieg. Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas sind Tag und Nacht in rund 70 Zentren und in 200 Notunterkünften im Einsatz. Sie versorgen Kriegsvertriebene, bieten psychosoziale Betreuung, juristische Beratung und helfen bei der Wiederbeschaffung von Dokumenten oder beim Auffinden vermisster Angehöriger. Netzwerke der Hilfe Möglich ist dies, weil Caritas international nach dem Partnerprinzip arbeitet und somit über ein weit verzweigtes Netzwerk der Hilfe verfügt. Allein die Caritas Ukraine umfasst 49 aktive lokale Organisationen sowie nationale Koordinationsbüros, über 2.600 Mitarbeitende und rund 2.300 Freiwillige, die in etwa 300 Pfarrzentren aktiv sind. Diese Strukturen ermöglichen auch einen weiteren Schwerpunkt der Caritas-Arbeit in der Ukraine – die Winterhilfe. In den oft sehr kalten Wintermonaten stellen die Mitarbeitenden für besonders gefährdete Menschen Heizmaterial, winterfeste Haushaltsartikel und Materialien zur Reparatur beschädigter Häuser zur Verfügung. Evakuierte erhalten Hilfspakete mit Schlafsäcken, Thermobehältern und warmer Kleidung. Nothilfe an der Frontlinie Die Not- und Winterhilfe geht Hand in Hand mit der sozialen Arbeit, die im Kontext des Krieges ohnehin besondere Herausforderungen mit sich bringt. So besuchen mobile Caritas-Teams auch nahe der 1.200 Kilometer langen Frontlinie hilfsbedürftige Menschen in abgelegenen Ortschaften und bringen ihnen das Nötigste vorbei. Fachkundige Pflegekräfte versorgen alte, kranke und körperlich eingeschränkte Patientinnen und Patienten. „Wir versuchen alle, die War-Life-Balance zu halten,“ Hannah Kikwitzki, Caritas-Fachkraft in der Ukraine.
19 Caritas international – Alltägliche Hilfe im Krieg Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der pädagogischen und psychosozialen Unterstützung für gefährdete und vom Krieg betroffene Kinder und Jugendliche, die durch ständige Angst vor Angriffen, endloses Ausharren in Kellern und Isolation zu Hause belastet sind. Nur eine enge Begleitung durch Fachkräfte, wie sie die Caritas Ukraine leistet, ermöglicht es den Minderjährigen und ihren Familien, die traumatischen Erfahrungen verarbeiten und neuen Lebensmut finden zu können. Nicht zuletzt helfen Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter den Betroffenen bei der Reparatur von Häusern und Wohnungen, die durch Bombenangriffe beschädigt wurden. Sie ersetzen Fenster und Türen und decken Dächer neu. Rein technisch helfen diese Maßnahmen den Menschen, dass sie sie einigermaßen komfortabel wohnen können. Psychologisch bringt der Wiederaufbau immer auch ein Stück Hoffnung: Es wird ein Leben nach dem Krieg geben – und daran bauen wir schon jetzt. Nah bei den Menschen, getragen von Vertrauen vor Ort. Caritas international kann auf das weltweite katholische Caritas-Netzwerk zurückgreifen, das bis in einzelne Gemeinden hineinreicht. So entstehen Hilfe und Vertrauen aus echter lokaler Verwurzelung. Zentral ist das Prinzip der Subsidiarität: Menschen vor Ort werden in ihrer Eigenverantwortung gestärkt. Ein besonderer Fokus liegt auf Menschen, die besonderen Schutz brauchen – etwa Kinder, alte und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung. Geholfen wird jedem Menschen in Not, unabhängig von Religion oder Herkunft. „Die Hilfen werden noch lange auch nach dem Ende des Krieges weitergehen müssen. Insbesondere psychologische Unterstützung für traumatisierte Menschen wird weiterhin wichtig bleiben.“ Oliver Müller Leiter Caritas international 105.000 Menschen erreicht 4.900 Helferinnen und Helfer über 300 Einsatzorte Wirkung vor Ort Angriff auf Wohnsiedlungen: Am frühen Morgen des 23. Januar 2025 bombadierte Russland ein Stadtviertel von Saporischschja. Caritas-Helfer waren sofort vor Ort.
Hier QR-Code scannen und Projektfilm ansehen 20 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Angriff auf Kinder, Zivilpersonen und Helfende: Am 8. Juli 2024 trafen Bomben die größte Kinderklinik der Ukraine in Kiew. Im Oktober 2025 besuchte die Journalistin und ZDF-Fernsehmoderatorin Dunja Hayali im Rahmen der „Ein Herz für Kinder“-TV-Spendengala eine von Caritas international und ihrer Partnerorganisation DMI (Daughters of Mary Immaculate) betriebene Schule. Sie liegt in einem Vertriebenenlager am Rande der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Die Zustände im Camp sind bedrückend: Schlecht ernährte Kinder, behelfsmäßige Unterkünfte aus Plastikplanen und kaum Hoffnung auf Besserung. Linda Tenbohlen, Teamleiterin Kommunikation bei Caritas international, sprach mit Dunja Hayali über ihre Eindrücke und die Hintergründe der Reise. Interview mit Dunja Hayali „ Die Schule schafft Perspektiven“ Das Hilfsprojekt ermöglicht den Kindern durch Spielangebote, wieder Kind zu sein (oben), und schafft durch die Schule (unten) gleichzeitig Perspektiven für die Zukunft.
„Es ist bereichernd, mit Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Dunja Hayali im Interview, „und mir als Journalistin ein Bild davon zu machen, worüber ich berichte.“ 21 Dunja Hayali mit „Ein Herz für Kinder“ im Südsudan Frau Hayali, was hat Sie dazu bewegt, in den Südsudan zu reisen? Für dieses Krisenland gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. DUNJA HAYALI: Als ich gefragt wurde, ob ich diese Reise machen möchte, habe ich sofort mit „ja“ geantwortet, auch wenn mich alle für verrückt gehalten haben. Aber als Journalistin finde ich es wertvoll und bereichernd, über das, worüber ich berichte, mir zuvor selbst ein Bild machen zu können – mit Menschen ins Gespräch zu kommen, zu sehen, zu riechen, zu fühlen, zu erleben. Allerdings muss man sich dann auch wieder von den Erlebnissen emotional entfernen, um möglichst neutral berichten zu können. Sie haben eine Schule besucht, die Caritas international mit ihrer Partnerorganisation DMI betreibt. Wie war Ihr Eindruck? HAYALI: Die Schule bietet den Kindern eine Chance, aus diesem Elend herauszukommen: Zu lernen, später einen Beruf zu ergreifen oder sogar studieren zu können. Das schafft Perspektiven – auch für die Familien. Und das ist wahnsinnig wertvoll. Was hat Sie nachdenklich gemacht? HAYALI: Es ist toll, dass die Schule 1.100 und hoffentlich bald auch 1.500 Kindern einen Schulplatz bieten kann. Aber es ist auch bitter zu sehen, dass weitere 20.000 Kinder diese Chance nicht bekommen. Was hat Sie beeindruckt? HAYALI: Die Überlebenskunst der Menschen. Wenn man sieht, mit wie wenig sie versuchen, ein halbwegs normales Leben zu führen – so weit entfernt von dem, was wir als normal bezeichnen würden. Wie sie darauf achten, dass Kleidung und Schuhe sauber bleiben, weil das etwas mit Würde und Stolz zu tun hat. Und wie wissbegierig die Kinder sind, wie viel Freude und Lust sie am Lernen haben – das beeindruckt mich wirklich. Welche Hoffnung verbinden Sie mit Ihrer Reise? HAYALI: Ich hoffe sehr, dass wir mit dieser Reise und den Berichten darüber wieder mehr Aufmerksamkeit auf den Südsudan lenken können. Der Fokus liegt gerade auf Gaza und der Ukraine, was ja auch verständlich ist. Nichtsdestotrotz dürfen wir die anderen Krisen- und Kriegsregionen der Welt nicht vergessen. Und jeder kann etwas tun, mit einer kleinen Spende. Ich glaube, das verstehen alle Menschen in Deutschland: Bildung ist das A und O. Jeder wünscht sich eine gute Zukunft für seine Kinder. „Mich beeindruckt, wie wissbegierig die Kinder sind, wie viel Freude und Lust sie am Lernen haben.“ „Ein Herz für Kinder“ und das Aktionsbündnis Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe wird schon seit vielen Jahren von der Hilfsorganisation BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ unterstützt. Diese Förderung ermöglicht es, bei Krisen und Naturkatastrophen schnelle und unbürokratisch Soforthilfe für Kinder leisten zu können. Finanziert werden die Projekte unter anderem durch die jährliche „Ein Herz für Kinder“-Spendengala im ZDF sowie durch andere Spendenaktionen. Mehr Informationen unter www.ehfk.de
22 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Gemeinsam stark Unsere Partner im Jahr 2025 Ob mediale Reichweite, finanzielle Hilfe oder vertrauensvolle Zusammenarbeit über viele Jahre hinweg – wir konnten nur deshalb so schnell und wirksam handeln, weil auch im Jahr 2025 wieder starke Partner und Förderer an unserer Seite standen.
23 Gemeinsam stark – Unsere Partner 2025 ZDF – unser verlässlicher Medienpartner Das ZDF begleitet das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe seit 25 Jahren als verlässlicher Medienpartner. Bei humanitären Krisen und Katastrophen berichtet der Sender über die Not der betroffenen Menschen und ruft zu Spenden für dringend benötigte Hilfen auf. Durch seine große Reichweite leistet das ZDF einen wichtigen Beitrag dazu, Solidarität und Unterstützung in der Bevölkerung zu fördern. Für die langjährige Zusammenarbeit danken wir herzlich. Unternehmenspartner und Stiftungen Und schließlich: Ohne das Engagement von Unternehmen und Stiftungen, die uns im letzten Jahr unterstützt haben, wäre so viel schnelle und wirksame Hilfe nicht möglich gewesen. Ihr Einsatz hat 2025 einen echten Unterschied gemacht. Herzlichen Dank dafür! Die neuen Notunterkünfte schenken den geflüchteten Menschen Sicherheit und Geborgenheit. In großen Teilen des Südsudan ist dies keine Selbstverständlichkeit. BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ Auch 2025 konnten wir auf die Unterstützung von BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ zählen. Seit 2016 fördert der Verein insbesondere Projekte unserer Mitgliedsorganisationen in Krisenregionen, die nur wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten. Im vergangenen Jahr konnten so Kinder und Jugendliche unter anderem in Bangladesch, im Südsudan, in Kolumbien, im Gazastreifen, in Ecuador und im Sudan gestärkt werden. Für diese Unterstützung danken wir dem gesamten Team – auch im Namen der Kinder, denen wir helfen konnten.
24 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Bleiben Sie an unserer Seite Caritas Maroua verteilt dringend benötigte Lebensmittel an Flüchtlinge in Zamai, im äußersten Norden von Kamerun, wo insgesamt mehr als 570.000 Menschen vor der Terrorgruppe Boko Haram auf der Flucht sind.
25 Danke Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben auf den vorherigen Seiten gesehen, was 2025 mit Ihrer Hilfe möglich wurde. Und doch wächst die Zahl der Krisen weiter und die Herausforderungen in der humanitären Hilfe werden immer größer. Zivilpersonen und Helfende werden in bewaffneten Konflikten immer häufiger gezielt angegriffen, staatliche Mittel gehen stark zurück. Das trifft insbesondere die Menschen, deren Not ohnehin am größten ist. Umso mehr zählt, was Spenderinnen und Spender wie Sie möglich machen: Sie sind es, die es den Organisationen des Aktionsbündnisses erlauben, schnell und unabhängig zu handeln – egal, ob eine Krise gerade Schlagzeilen macht oder längst aus den Nachrichten verschwunden ist. Dafür danke ich Ihnen im Namen aller vier Organisationen des Aktionsbündnisses von Herzen. Bleiben Sie uns auch in Zukunft verbunden – die Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, brauchen Sie mehr denn je an ihrer Seite. Ihr Dominique Mann Geschäftsführer Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Danke!
26 Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Sprechen Sie uns an Denise Landmann Ihre persönliche Ansprechpartnerin denise.landmann@aktionsbuendnis-katastrophenhilfe.de Telefon: 030 814579902 Mobil: 0173 3578644 Informiert bleiben. Hilfe möglich machen. Bleiben Sie informiert: aktuelle Krisen, betroffene Menschen und wie Ihre Hilfe wirkt. Jetzt QR-Code scannen und den Newsletter abonnieren.
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