Konflikt im Nahen Osten
Hungersnot in Teilen des Gazastreifens
Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC) hat für Teile des nördlichen Gazastreifens eine Hungersnot ausgerufen. Betroffen ist der Bezirk Gaza mit der Stadt Gaza. Über 500.000 Menschen sind davon betroffen, davon leiden 132.000 Kinder unter fünf Jahren akuter Unterernährung, etwa 41.000 gelten als lebensbedrohliche Fälle – doppelt so viele wie noch im Mai. Auch in anderen Teilen des Küstengebiets sei die Lage katastrophal, warnte die Organisation.
Die Menschen im Gazastreifen leiden an Hunger und den Auswirkungen der humanitären Katastrophe. Nach Einschätzung der Experten der IPC herrscht in Teilen des Gazastreifens bereits Hungersnot. Die IPC-Skala unterscheidet fünf Stufen der Ernährungslage – die schlimmste ist Stufe fünf: Katastrophe, Hungersnot. „Die Feststellung der Hungersnot bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen. Schwer mangelernährte Kinder sterben vor den Augen ihrer Eltern, weil ihnen lebensrettende Hilfe verwehrt wird. Sie sind hungrig, durstig, verängstigt, traumatisiert", schildert Christian Schneider, Vorsitzender des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe und Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, die Situation.
Hilfsgüter werden dringend benötigt
Seit dem Ende der Waffenruhe Mitte März 2025 gelangen kaum Hilfsgüter in den Gazastreifen. Die Grenzen waren für humanitäre Hilfe und kommerzielle Güter monatelang geschlossen. Inzwischen dürfen vereinzelte Hilfsgüter über den Luft- und Landweg in das Gebiet gebracht werden. Die vier Organisationen des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland arbeiten seit vielen Jahren in Gaza. Deshalb konnten sie trotz schwierigster Umstände die Bevölkerung im Gazastreifen seit Beginn des bewaffneten Konflikts im Oktober 2023 unterstützen.
Die Hilfe umfasst alle Bereiche der humanitären Hilfe. Mit regelmäßigen Hilfsgütertransporten für den Gazastreifen hat das Deutsche Rote Kreuz seit der Eskalation des bewaffneten Konflikts die Zivilbevölkerung unterstützt und seine Zusammenarbeit mit den Schwestergesellschaften vor Ort über die letzten Monate nochmals intensiviert. Hinzu kommt ein Feldkrankenhaus in Rafah, das seit einem Jahr in Betrieb ist und in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und anderen Schwestergesellschaften betrieben wird.
UNICEF versorgt mangelernährte Kinder mit lebensrettender Spezialnahrung und Trinkwasser, liefert medizinische Ausrüstung an Krankenhäuser und setzt psychosoziale Hilfsangebote um. Im vergangenen Jahr und zuletzt im Februar haben UNICEF und Partner mehr als 500.000 Kinder gegen Polio geimpft.
Caritas international verteilt überlebenswichtige Güter wie Lebensmittel, Hygieneartikel oder Zelte über ihre Partnerorganisation Catholic Relief Services (CRS), die mit rund 50 Mitarbeitenden im Gazastreifen vertreten ist.
Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt unter anderem das Krebsdiagnostikzentrum im Al Ahli-Krankenhaus im Norden Gazas und versorgte Familien mit Wasser und frischem Gemüse, die keinen Platz in einer UN-Notunterkunft bekommen hatten.
Um die Hilfe fortzusetzen und zu intensivieren, müssen neben dem Zugang zu Hilfsgütern zwingend die humanitären Helferinnen und Helfer geschützt werden. UN-Angaben zufolge sind seit der Eskalation des Konfliktes bereits mehr als 400 Helfende umgekommen. Zuletzt wurden im März acht Rettungssanitäter des Palästinensischen Roten Halbmondes, der Schwestergesellschaft des DRK in den Palästinensischen Gebieten, getötet.
Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat eine Spirale der Gewalt ausgelöst. Zehntausende Menschen wurden seither getötet und verletzt. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe appellieren an die Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten, alle verbliebenen Geiseln freizulassen, die Zivilbevölkerung und die vielen tausend Helferinnen und Helfer zu schützen, und alles in die Wege zu leiten, damit die Menschen unter sicheren Bedingungen mit Hilfsgütern versorgt werden können.
Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe und seine Mitgliedsorganisationen bitten Sie dringend um Unterstützung!
Erfahren Sie hier, wie die Organisationen des Aktionsbündnisses die Menschen unterstützen: